Ab Rabanal de Camino geht es hoch in die Berge von Leon. Eine traumhaft schoene Gegend. Hier scheint die Zeit stehen zu bleiben und die Berge koennen mit einem kommunizieren. Wie alles im Leben, gilt es einfach richtig zu zuhoeren. Das ist etwas, was ich auf diesem meinem Weg nach Santiago gelernt habe. Vielleicht, weil ich hier so frei von jedem Stress und Idee bin. Ich geniesse die Situation und glaube einiges gelernt zu haben.

Nach einer Stunde erreicht man das Dach des spanischen Wegs: La Cruz de Ferro.
Hier steht ein Eisenkreuz auf der Spitze eines sehr langen Masts. Unterhalb einen Berg von Steinen. All jene die Pilger von allen Herrenlaender mitgebracht haben, um sie hier mit einem Wunsch niederzulegen. Auch ich habe mein Stein aus dem Sihltal hier abgelegt. Mein Wunsch wird sicher erfuellt. Bescheiden wie er ist.
Ingrid ist schon vorher hier eingetroffen und macht schon fleissig Fotos. Bei mir reichen zwei. Und dann... Plumps Ingrids Fotoapparat faellt vom Winde verweht von einem kleinen Zaun und ist natuerlich futsch. Sie hat aber auch wirklich kein Glueck. Ich troeste sie so gut wie es halt geht. Sie ist furchtbar enttaeuscht. Hat sie doch vor einer Woche schon die ganzen Fotos von Oesterreich und Schweiz verloren. Chip war ploetzlich leer.
Der Abstieg ist sehr anstrengend. Fragt mal meine Knie. Mit der Unterhaltung geht es aber besser. Der Tag ist sonnig und hilft auch sehr. Eine kleine Pause nach Molinaseca und ab nach Ponferrada. Eine grosse Stadt. Naja, zumindest fuer diese Gegend. Ich treffe im Albergue ein. Da die Ueberraschung. Albergue Niklaus von Fluee!
Die Geschicht habe ich nicht so verstanden. War mehr beschaeftigt mich aufzuregen, warum noch keine Heizung da ist. Es ist schrecklich kalt. Ich suche eine Pension oder Hostal. Unter 40Euro nichts zu holen. Und irgendwie ist mir das an diesem Tag zu teuer. Ich bleibe also im Albergue. Die Heizung wird noch angemacht und so habe ich auch eine geruhsame Nacht.
Noch ein Tag. Faengt an wie jeder andere, einfach ein bisschen mueder. Ingrids Tempo zu halten, wird langsam zur "task". Das Wetter ist schoen, so dass ich versoehnlich gestimmt bin. Mit Ingrid ist es halt auch sonst nicht leicht. Je laenger merkt man, dass sie erst 20 ist. Vielleicht weil sie sich nicht mehr so Muehe gibt, sicherlich aber weil wir beide Muede sind.
Heutiges Etappenziel Villafranca del Bierzo erreichen wir so gegen 16Uhr. Ich nehme mir ein Hostal. Die einzig richtige Entscheidung, wie sich spaeter herausstellte. Es war naemlich im Albergue bis -7Grad und das ohne Heizung. Manchmal frage ich mich schon, was pasieren muss, bis so ein Refugio geschlossen wird. Frisch komme ich am naechsten Morgen aus der Tuer. Naja, frisch nicht, denn meine Knie sind dem Ende nah. Etwas ist bestimmt kaputt. Ich hoffe, es ist nicht das Kreuzband. Den irgendwie fuehlt es sich so an. Auch der Meniskus, denn ich vor Jahren schon operieren musste, scheint nicht mehr intakt zu sein. Die Sonne - meine zweite Energiequelle nach dem Cola - hilft mir ueber die Ebene und auf den Berg nach Galizien. O Cebreiro und damit die letzte Region Spaniens ist nach 30km erreicht. Hier ist Ingrid schon seit 2 Stunden angekommen. Irgendwie freue ich mich darueber. Irgendwie aber auch nicht. Die schoensten Momente sind jetzt jene, wo ich alleine laufen kann und neue Leute treffe.
Eine schoene, nette Blonde aus dem Teutonenland kommt abends an. Es bleibt aber bei einer netten Unterhaltung von 2 Minuten. Sie ist mit einem anderen Typen unterwegs und ein laengeres blabla scheint mir unangebracht.
Nun bin ich also in Galizien. Die Leute sind wirklich so, wie sie mir mein Vater beschrieben hatte: verschlossen angrenzend an sehr unfreundlich
Die Landschaft ist aber einmalig. So stellt man sich eigentlich das tiefe Irland vor, nicht aber Spanien!!! Es scheint, als koennte jeden Moment ein alter keltischer Krieger im Wald zwischen dem Dunst und dem Nebel auf dich zukommen. Echt mystisch! Kein Wunder gibt es hier dieses Sprichwort: Las Meigas no existen, pero haberlas ailas!
Auf deutsch: Die Hexen existieren nicht, aber geben tut es sie!
Galizien ist auch die Heimat des galizischen Wetters. Aehm, so etwas wie in Irland denke ich. Regen oder Nebel, dann wieder Sonne fuer 1 Stunde und 23 Minuten. Dann 3 Minuten Sturm. etc. So verbringe ich die naechsten 3 Tage in schwarz. Sprich ohne die Moeglichkeit meine Regenjacke auszuziehen.
Die Herbergen sind hier von der Xunta gesponsert. Heisst, sie sind gratis. Jedoch sind die Dienstleistungen dem Preis entsprechend. Abgesehen von Sarria bin ich also wieder unter den Hape Kerkeling-Pilgern und goenne mir etwas Besseres. Meinen Knien zu liebe. Ich hasse die Kaelte und bei kranken Knien ist das besonders schlimm.
Nun bin ich in Arca do Pino. Knapp 20km vor Santiago. Morgen ist es also soweit. Bis nach Finisterre werde ich nicht gehen. Das ist auch unsinnig bei den Beschwerden und der Kaelte. Werde diese Zugabe beim naechsten Jakobsweg ueber die Nordkueste nachholen.
Bin am 29. November 2007 abends zu hause. Flug IB3476 Ankunft in Zurich um 22:05.
Vielleicht ueberrascht mich ja jemand von euch dann. Wuerde mich natuerlich riesig freuen.
Liebe Gruesse aus der vorletzten Etappe
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