Laufen mit Andreas ist ganz was anderes, als allein zu laufen. Der Typ ist einfach schneller. Jedoch plagt ihn auch ein Fuss und so kann er nicht ganz seinen normalen Rhythmus laufen. Frage mich den ganzen Weg, wer wohl schneller ist. Andreas der Schnelle von Lache in normalen Laufrhythmus oder François. Ich würde mein ganzes Geld auf François setzen. Sowas wie ihn habe ich noch nie gesehen. Kann mir nicht vorstellen, dass Andreas eine Chance hätte.
Oftmals hat mich François gefragt, ob ich mit ihm eine Wanderung durch die Berge macht. Habe bisher immer abgesagt, weil ich ihm einfach nicht nachkommen würde. Mir fällt dann immer die Geschichte vom Hasen und Igel ein: "... Bin schon da!"
Es regnet und einen Tag aufzuholen und direkt nach Lausanne zu laufen, ist einfach nicht drin. Total unterkühlt vom kalten Schweiss komme ich in Moudon an. Dazu noch Knie und Muskelschmerzen! Heute mögen zwar noch alle Wege nach Rom führen. Für mich und Andreas aber kein Pilgerweg nach Lausanne. Ich schleppe mich in die Apotheke, um was Nachschub an Tigerbalsam zu besorgen. Andreas kommt mit und kriegt einen 2m grossen männlichen Apotheker. Ich eine blauäugige nette Romande. Wer möchte mich immer hier testen? "Darf es noch was sein?" - "Hey, was?". Typisch! Wie lange muss ich auf diesem Weg bleiben, um mich davon loszureissen? Oder bin ich am Ende einfach nur ein Ästhet des Lebens? Wie dem auch sei, ich muss hier einfach etwas ändern oder verinnerlichen, denn so rege ich mich im nachhinein nur selber über mich auf.
Nach Moudon verlaufen wir uns im Wald kurz nach Bresonnaz Desous. Ich bin vorgelaufen und Andreas wie ein Muni mir hinterher. Haben doch tatsächlich eine kleine Brücke über die Carouge verpasst. Zum Glück ist Andreas als Oberleutnant ein guter Kartenleser. Er findet die Brücke 30min danach. Später meinte er, ich hätte nach der Ortstafel nur noch an "Desous" gedacht und mich deshalb verlaufen. Tja, er ist mir aber einfach hinterher. Selber "Desousdenker"!
Kurz vor Syen ist es aus. Meine Achillesehne hat sich mit den Knieschmerzen und dem Muskel des Oberschenkels alliert und geben mir ein Ultimatum! Ich muss Zwangspausieren und Andreas allein nach Vucherens ziehen lassen. Da haben wir unsere Unterkunft bereits reserviert. Ich denke an eine Frau, dessen Namen ich nicht nennen mag. Ob sie auch an mich denkt? Wohl kaum! Ich denke ans Aufgeben und wie blöd es wäre, wegen einer kapputten Sehne nicht mehr Basket spielen zu können. Da passiert es. Das deutsche Pärchen überholt mich kurz nach meiner Sitzrast. "Tja, das geht wohl nur noch ins Spital." meint Schnabel. Sieht wohl so aus. Sie ziehen etwas besorgt und etwas schadenfroh weiter. Ein Lächeln 20m vor mir kann ich entnehmen. Nicht mit mir! Mein spanischer Stolz bricht voll aus. Ich humple den zwei hinterher. Kann ihnen nicht folgen. Aber aufgeben? Nein, nicht jetzt nach diesem Happening! Ich hole sie dann bei einer ihrer Pausen ein. Wir tauschen uns aus und verabschieden uns kurz später wieder. Bin nämlich in Vucherens angekommen. Und weil Gott ein guter Gott ist, schenkt er mir etwas für die Mühen des Tages. In einer Kurve sehe ich auf einer Weide das schönste Fohlen auf der ganzen Welt. Und was, es kommt sogar auf mich zugesprungen! Nur ein kleiner aber doch so grosser Moment des Glücks. Dieses Fohlen weckt zum ersten Mal auf diesem Weg, den kleinen verlorenen Jungen in mir. Und diese Konstelation tröstet es. Ich kann es genau spüren. Ich bin einfach nur glücklich! Am liebsten hätte ich es mitgenommen und es einem Pferdeliebhaber wie Fabios Janine gezeigt. Aber es soll nicht so sein, denn es ist mein Fohlen. Für immer!
In der Unterkunft erwartet mich schon Andreas. Die Bleibe ist für 25CHF Spitze. Wir kriegen sogar eine Flasche selbergemachten Most. Hmm!
Na dann, Prost!
und
Gute Nacht!
Freitag, 17. August 2007
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