Montag, 20. August 2007

18. August 2007: Lausanne - Gland



Los geht's. Ab nach Genf. In 3 Tagen sollte man es erreichen. 2 Tage sind zu knapp.
Ich stehe um 8 schon auf der Strasse. Tankfüllung und schnell am See entlang nach "wir werden sehen". In Wahrheit habe ich noch keine Ahnung wo ich übernachten werde/möchte. Will einfach mal nur laufen und den Weg geniessen.
Bald treffe ich auf ein anderes Pilgerpäarchen. Die eine ist tatsächlich Ursina aus der Hagenegg. Lustig wie man sich immer wieder trifft. Ich marschiere mit den beiden.
Und wie es so ist, hat jeder etwas über die anderen Pilger auf dem Weg zu erzählen. Wie eine grosse Familie, die über Kilometer verstreut separat voneinander läuft. Wir amüsieren uns die ganze Strecke bis nach Morges. Hier wird eingekauft. Im Laden mit dem grossen M's besorgen wir uns ein Picknick und was Mann und Frau sonst noch brauchen. Da plötzlich kommt ein kleiner Mann auf uns zu und fragt uns, ob er uns irgendwie helfen könnte. Er habe gesehen, dass wir Pilger sind. Wollte uns eigentlich was zu essen kaufen. Ob es recht sei, wenn er uns 20Franken anbiete. ??? Wir mussten natürlich ablehnen. Wer weiss, vielleicht ändert sich diese Einstellung auf dem Weg noch. Der Mann war wirklich herzlich von uns angetan. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir ihn mit unserem "nein" etwas brüskiert haben könnten.
Wir picknicken am See. Ursina macht noch ein Schwimmchen im See. Wäre ich nicht so prüde, hätte ich am liebsten auch geplanscht. Weiter geht es nach St. Prex, wo ich den einzigen Stempel der Etappe für meinen Pilgerpass bekomme. Man sieht schnell, dass man hier in einem reformierten Kanton ist. Die meisten Kirchen sind zu und Pilger sind was familiäres mit Marschmännchen. Kurz nach St. Prex muss ich die beiden ziehen lassen. Meine Achillessehne möchte mich für sich alleine haben. Ich kann kaum noch laufen. Ein "S" nach rechts, dann wieder eins nach links. Ich denke ans aufgeben. Zu diesem Zeitpunkt fühle ich mich einfach nur so wie die Häufchen links und rechts des Weges. Ein Hund zu sein, dass wäre schon schön. Aber da geht nichts, muss weiter. Mein Stolz hilft mir über die Zweifel hinweg. "Plus ultra" - immer weiter. So steht's auf der spanischen Flagge. Immer dieser Patriotismus für Anfänger. Ach, wenn ich nur wüsste, wohin ich gehöre und wer ich überhaupt bin. Ich würde diesem Leiden ein Ende bereiten. Aber dafür bin ich auf diesem Weg, um möglicherweise eine Antwort auf diese Frage zu finden.
Ich hinke voran. Musik begleitet mich dabei und tröstet meine Melancholie des Augenblicks. Die Gegend ist wunderschön. Ich denke daran, wie schön es wäre, diese Aussichten bei herrlichem Sonnenschein mit jemanden zu teilen. Bin halt immer noch im alten Muster. Versuche es für mich zu geniessen. Ertappe mich aber beim Versuch und so wirkt das ganze verfälscht und unnatürlich. Igitt!
Ich komme in Allaman an. Hier sind die anderen zwei abgestiegen. Schöner Ort. Ich beschliesse aber noch weiter zu gehen nach Rolle. Will schon noch dieses Infiniti Headquarter sehen. Plötzlich geht es. Wieso? Keine Ahnung. "I'm walking on sunshine" klingt aus den Kopfhörern. Jawohl, ich marschiere wirklich unter Sonnenschein und versuche mich gut zu fühlen. Sowas, ein Slogan zu meinem Gemütsstand. Tanzen wäre jetzt was. Muss an die Prism Party im Oktober denken, welche ich verpassen werde.
Rolle ist erreicht. Ich kann soeben noch einen Fuss in die sich um 18Uhr schliessende T-info-Türe setzen. Kein Zimmer in Rolle mehr frei. Dafür kriege ich aber ein Büchlein mit Adressen für die Umgebung. Ich telefoniere und finde nur noch was im 6km entfernten Gland. Ich schleppe mich also noch dahin. Angekommen treffe ich ein Märchen von einer Bleibe bei einer Frau, die mein Tun bewundert. In aller Hinsicht ein Auftanken, nach einer langen und durchtriebenen Etappe. Ich setze mich aufs Bett und denke einfach mal nichts. Ist das erlösend. So was sollte ich öfters haben.

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