Samstag, 24. November 2007

Arca do Pino - Santiago: 23. November 2007


Geschafft!

Endlich!


Der letzte Tag war sehr anstrengend. Die Knie waren auf dem Zahnfleisch. Als wuerde jemand testen wollen, ob ich wirklich bis zum Schluss durchhalten wuerde bzw. wollte.
Ich wollte und so bin ich gegen 14Uhr des 23. Novembers 2007 vor der Kathedrale auf dem Obradoiro gestanden. Ein Gluecksgefuehl umhuellte mich. Zuerst ein paar Fotos, um den Moment festzuhalten. Soweil kam ein Mann der Vereinigung der Freunde des galizischen Weges auf mich zu und wollte von meinen Eindruecken wissen. Ich erzaehlte ihm und er begleitete mich ins Pilgerbuero um die Compostela abzuholen. Die Compostela ist eine Urkunde auf Latein, welche bestaetigt, dass man den Weg gemacht hat. In einem heiligen Jahr (Xacobeo) erloest sie von den begangenen Suenden. Leider haben wir nicht so ein Jahr. Und so bleibe ich ein mueder, aber dennoch ein Suender. Tja, man kann nicht alles haben. Jedenfalls war ich auf dem Weg zum Pilgerbuero, als ich ploetzlich meinen Namen hoerte: Pabloooo!
Es war Luca. Wir umarmten uns so sehr, dass der Mann neben mir ploetzlich ein mulmiges Gefuehl bekommen haben muss. So ein wertvoller Moment. Luca ist zwar 9 Jahre juenger, fuer mich ist er aber fast schon wie ein Bruder geworden. Zu dritt bestritten wir dann den Weg ins besagte Buero. Da erhielt ich meine Urkunde und wollte zuerst gleich mal versichert wissen, ob meines Mutters Namen auch auf dem Pergamentrolle stehen wuerde. Dies ist der Fall und so steht da jetzt, dass Ioanem Paulum Lopez de Leon Latorre den Weg von Sancti Jacobi im Jahre 2007 am 23. November beendet hat.
Wir gingen zurueck zum Platz und fragten uns beide, wo wohl Ingrid geblieben ist.
"Sie ist ein oder zwei Tage zurueck." -
"Kann nicht sein", sagte ich zu Luca.
"Die war in letzter Zeit immer schneller als ich." -
"Stimmt", sagte Luca,
"kann nicht sein, denn da vorne ist sie soeben eingetroffen."
Wir winkten wie verrueckt und Sekunden spaeter hielten wir uns zu dritt in den Armen. Es wahr ein spezieller Moment. Abends drueckte es Ingrig genau richtig aus:
"Als ich den Platz betrat und die Kathedrale sah, fuehlte ich nichts. Als ich aber euch in den Armen hatte, war dies das schoenste Gefuehl auf dem Weg. Ihr wart meine Kathedrale!"
Besser haette ich es auch nicht ausdruecken koennen. Denn das ist der eigentliche Weg:
Die Begegnung mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen.
In diesem Sinne beende ich diesen Blog. Ich hoffe, ihr hattet Spass meinen Weg mitzuverfolgen. Wer weiss, vielleicht darf ich den einen oder anderen von euch bald beraten, wie man diesen am besten angeht.

Euer Pablo

Spezieller Dank geht an:

François: Ohne dich waere ich nie soweit gekommen. Du bist ein Meister des Wanderns. Deine Tipps waren einfach Gold wert!

Fabio: Ohne deine Anrufe und Ermutigungen haette ich so manchmal das Handtuch geschmissen.

Jan Mueller: Dein Eintrag hier in diesem Blog hat mich sehr beruehrt.

Franco: Ich weiss, dass du immer wieder reingeschaut und dich fuer mich gefreut hat.

Brigitte: Dein Support auch in medizinischen Belangen war eine grosse Hilfe.

Valérie: Du hast mich ermutigt, diesen Weg zu begehen.

Sakis und Kronos: Weil ihr verstanden habt, dass ich diesen Weg zu Ende gehen musste, bevor ich wieder komplett freien Kopf fuer meine Leidenschaft haben konnte. I LOVE THIS GAME!

Meine Eltern: Weil sie fuer einmal voll hinter eine meiner Entscheidungen standen und sich wie Kinder ueber jede Postkarte gefreut haben.

An alle die diesen Blog regelmaessig gelesen haben.... DANKE!

Donnerstag, 22. November 2007

Rabanal del Camino - Arca do Pino: 16. - 22. November 2007



Ab Rabanal de Camino geht es hoch in die Berge von Leon. Eine traumhaft schoene Gegend. Hier scheint die Zeit stehen zu bleiben und die Berge koennen mit einem kommunizieren. Wie alles im Leben, gilt es einfach richtig zu zuhoeren. Das ist etwas, was ich auf diesem meinem Weg nach Santiago gelernt habe. Vielleicht, weil ich hier so frei von jedem Stress und Idee bin. Ich geniesse die Situation und glaube einiges gelernt zu haben.

Nach einer Stunde erreicht man das Dach des spanischen Wegs: La Cruz de Ferro.
Hier steht ein Eisenkreuz auf der Spitze eines sehr langen Masts. Unterhalb einen Berg von Steinen. All jene die Pilger von allen Herrenlaender mitgebracht haben, um sie hier mit einem Wunsch niederzulegen. Auch ich habe mein Stein aus dem Sihltal hier abgelegt. Mein Wunsch wird sicher erfuellt. Bescheiden wie er ist.
Ingrid ist schon vorher hier eingetroffen und macht schon fleissig Fotos. Bei mir reichen zwei. Und dann... Plumps Ingrids Fotoapparat faellt vom Winde verweht von einem kleinen Zaun und ist natuerlich futsch. Sie hat aber auch wirklich kein Glueck. Ich troeste sie so gut wie es halt geht. Sie ist furchtbar enttaeuscht. Hat sie doch vor einer Woche schon die ganzen Fotos von Oesterreich und Schweiz verloren. Chip war ploetzlich leer.

Der Abstieg ist sehr anstrengend. Fragt mal meine Knie. Mit der Unterhaltung geht es aber besser. Der Tag ist sonnig und hilft auch sehr. Eine kleine Pause nach Molinaseca und ab nach Ponferrada. Eine grosse Stadt. Naja, zumindest fuer diese Gegend. Ich treffe im Albergue ein. Da die Ueberraschung. Albergue Niklaus von Fluee!
Die Geschicht habe ich nicht so verstanden. War mehr beschaeftigt mich aufzuregen, warum noch keine Heizung da ist. Es ist schrecklich kalt. Ich suche eine Pension oder Hostal. Unter 40Euro nichts zu holen. Und irgendwie ist mir das an diesem Tag zu teuer. Ich bleibe also im Albergue. Die Heizung wird noch angemacht und so habe ich auch eine geruhsame Nacht.

Noch ein Tag. Faengt an wie jeder andere, einfach ein bisschen mueder. Ingrids Tempo zu halten, wird langsam zur "task". Das Wetter ist schoen, so dass ich versoehnlich gestimmt bin. Mit Ingrid ist es halt auch sonst nicht leicht. Je laenger merkt man, dass sie erst 20 ist. Vielleicht weil sie sich nicht mehr so Muehe gibt, sicherlich aber weil wir beide Muede sind.
Heutiges Etappenziel Villafranca del Bierzo erreichen wir so gegen 16Uhr. Ich nehme mir ein Hostal. Die einzig richtige Entscheidung, wie sich spaeter herausstellte. Es war naemlich im Albergue bis -7Grad und das ohne Heizung. Manchmal frage ich mich schon, was pasieren muss, bis so ein Refugio geschlossen wird. Frisch komme ich am naechsten Morgen aus der Tuer. Naja, frisch nicht, denn meine Knie sind dem Ende nah. Etwas ist bestimmt kaputt. Ich hoffe, es ist nicht das Kreuzband. Den irgendwie fuehlt es sich so an. Auch der Meniskus, denn ich vor Jahren schon operieren musste, scheint nicht mehr intakt zu sein. Die Sonne - meine zweite Energiequelle nach dem Cola - hilft mir ueber die Ebene und auf den Berg nach Galizien. O Cebreiro und damit die letzte Region Spaniens ist nach 30km erreicht. Hier ist Ingrid schon seit 2 Stunden angekommen. Irgendwie freue ich mich darueber. Irgendwie aber auch nicht. Die schoensten Momente sind jetzt jene, wo ich alleine laufen kann und neue Leute treffe.
Eine schoene, nette Blonde aus dem Teutonenland kommt abends an. Es bleibt aber bei einer netten Unterhaltung von 2 Minuten. Sie ist mit einem anderen Typen unterwegs und ein laengeres blabla scheint mir unangebracht.

Nun bin ich also in Galizien. Die Leute sind wirklich so, wie sie mir mein Vater beschrieben hatte: verschlossen angrenzend an sehr unfreundlich
Die Landschaft ist aber einmalig. So stellt man sich eigentlich das tiefe Irland vor, nicht aber Spanien!!! Es scheint, als koennte jeden Moment ein alter keltischer Krieger im Wald zwischen dem Dunst und dem Nebel auf dich zukommen. Echt mystisch! Kein Wunder gibt es hier dieses Sprichwort: Las Meigas no existen, pero haberlas ailas!
Auf deutsch: Die Hexen existieren nicht, aber geben tut es sie!
Galizien ist auch die Heimat des galizischen Wetters. Aehm, so etwas wie in Irland denke ich. Regen oder Nebel, dann wieder Sonne fuer 1 Stunde und 23 Minuten. Dann 3 Minuten Sturm. etc. So verbringe ich die naechsten 3 Tage in schwarz. Sprich ohne die Moeglichkeit meine Regenjacke auszuziehen.
Die Herbergen sind hier von der Xunta gesponsert. Heisst, sie sind gratis. Jedoch sind die Dienstleistungen dem Preis entsprechend. Abgesehen von Sarria bin ich also wieder unter den Hape Kerkeling-Pilgern und goenne mir etwas Besseres. Meinen Knien zu liebe. Ich hasse die Kaelte und bei kranken Knien ist das besonders schlimm.

Nun bin ich in Arca do Pino. Knapp 20km vor Santiago. Morgen ist es also soweit. Bis nach Finisterre werde ich nicht gehen. Das ist auch unsinnig bei den Beschwerden und der Kaelte. Werde diese Zugabe beim naechsten Jakobsweg ueber die Nordkueste nachholen.

Bin am 29. November 2007 abends zu hause. Flug IB3476 Ankunft in Zurich um 22:05.
Vielleicht ueberrascht mich ja jemand von euch dann. Wuerde mich natuerlich riesig freuen.

Liebe Gruesse aus der vorletzten Etappe


Dienstag, 20. November 2007

Burgos - Rabanal del Camino: 9. - 15. November 2007




Burgos liegt schon hinter mir. Kastilien und seine Meseta wartet auf den mueden Pilger. Ich bin zum Glueck nicht so muede. Der Ruhetag hat Wunder gewirkt. Meine Gelenke fuehlen sich ebenfalls besser an und so rase ich die Meseta in Richtung Leon. In dieser Ebene ist man so schnell, dass man selber jeweils nicht glauben kann, wieviele Kilometer man soeben zurueckgelegt hat. So komme ich an eine Ortschaft, die ich erst eine halbe Stunde spaeter zu erblicken hoffte. Die ersten 10km sind also geschafft. Pause mit bocadillo. Schliesslich sind wir hier in Spanien. Es soll aber ein Chorizo bocadillo sein. Die Tortilla de patata wird aber mit der Zeit zur Speise der Pilger rund um mich. Nahrhaft, lecker und vegetarisch!
Kurz nach Mittag bin ich schon 20km gelaufen und habe Hornillos erreicht. Nochmal ein bocadillo mit Tankfuellung und dann nichts wie weiter. So habe ich am Ende des Tages 40km zurueckgelegt und bin dann doch sehr muede. Die Knie schmerzen wieder. Ich haette es wissen sollen. In der Ruhe liegt ja die Kraft. Aber manche Leute brauchen halt Schmerzen, um zu lernen! Tja!
Hier esse ich mit Daniel zu Abend. Einem ehemaligen PC Supporter aus den deutschen Landen. Ein komischer Zeitgenosse ist er, aber verdammt schnell und total unkompliziert. Das muss ich noch lernen. An diesem Abend rege ich mich ueber Zustand der Kueche und Schlafraum auf. Wie schnell man doch vergisst, wie froh man noch ueber so eine Bleibe fuer 6 Euro in der Schweiz gewesen waere. Der Mensch gewoehnt sich eben an alles. Und an das Gute vielleicht ein bisschen zu schnell. Am naechsten Tag bin ich aber ziemlich k.o. Halb krank, da es in der Nacht eiskalt geworden war. Mein Schlafsack hat eine Komfortzone von 8-12 Grad Celsius. Die Nacht war aber unter Null und Heizungen gab es keine. So habe ich also mit Pulli und Kappe geschlafen. Dennoch es war kalt. BRRRR!
Etwas mehr als 20km schaffe ich dann doch noch. Fromista heisst der kleine Ort. Ich besorge mir gleich mal etwas gegen Erkaeltung in der Apotheke. Es wird meine erste Erfahrung mit der Homoepathie. Und eine gute! Geschlafen wird in einem 2-Stern Hotel, um die vergangene Erfahrung zu kompensieren und meinem Koerper etwas Gutes zu tun.
Am naechsten Tag geht es bis nach Carrion de los Condes. Ein kleine Stadt. Die Leute sind recht seltsam. Ja richtig verschlossen und karg an Worten. Wie sich Land und Leute hier doch aehneln. Ab jetzt kommt die wirkliche Meseta. Weit und breit nur Felder. Vereinzelt ein paar Baeume. Alles schnurstraks. Die naechsten 17km keine groesserer Huegel und einfach nichts. Alle Pilger, die um diese Jahreszeit auf der selben Etappe sind, kann man von weitem zaehlen. Wie eine Perlenschnur sieht es aus. Ich kann zwar mit den Knien kaum weiter, da diese immer wieder stechen. Dennoch, eine Koreanerin vor mir? Der Typ mit 70 vor mir? Ero der Anwalt aus Las Palmas auch noch vor mir? Alle haben sie mich ueberholt. Nein! Das geht so nicht! Mein Stolz laesst dies nicht zu und so hole ich einen nach dem anderen wieder ein. Wo ein Wille ist, da sind auch zwei tapfere Knie... Ich komme als erster in Calzadilla de la Cueza an. Stolz hole ich mir den Stempel und feiere mit einem bocadillo de tortilla. Herrlich! I'm the champion!
Am Abend komme ich in Sahagun an. 40km habe ich zurueckgelegt. tata! Es geht also doch noch. Am naechsten Tag geht es nach Mansilla de las Mulas. Wieder 36km. In Reliegos wollte ich eigentlich bleiben. Da kam aber nach langem Warten kein Hospitalero. Es war auch keine Heizung da. Sogar ein Brite war zitternd in seinem Schlafsack. Und das um 17Uhr. Nein, die naechsten 6km mussten also noch geschafft werden. Und so war es dann auch.
Am Abend dann der erste Schock. Ich kriege in meiner linken Hand einen Krampf. Der Daumen klappt nach innen und laesst sich nicht mehr bewegen. Laehmung! Der Schreck dauert so gegen 3 Minuten. Ich hoffe, dies wiederholt sich nicht wieder, schliesslich will ich noch ein paar Jahre meinen Koerper nutzen.

Leon warten am naechsten Tag. Eine Stadt zum Abwinken. Nur die Kathedrale und ein paar Shops sind sehenswert, sonst der reinste Alptraum. Bin froh, als ich fuer 20 Euro ein paar Km weiter ein Hostal finde.
Am naechsten Tag geht es nach Hospital de Orbigo. Ein kleines Dorf, das hauptsaechlich von den Pilgern lebt. Es soll hier aber mal ein beruehmter Ritter gelebt haben. Don Quinones oder so. Vielleicht kann mich ja jemand von euch dann zu hause briefen.
Ich geniesse mein Zimmer und die Tiersendungen ueber die Antarktis im Fernsehen. So ist einem gleich waermer.... :-)



Naechster Tag: Es geht rauf nach Rabanal del Camino. Die Knie zwicken im Takt. Der Wille ist aber staerker. Ich treffe spaet aber dennoch ein. Da sitzt auch Ingrid. Hoeh.... wo ist die haengen geblieben. Krank waren sie und Luca geworden. Beide in etwa bei Leon. Kein Wunder, denke ich und so schliessen wir den Abend mit den Erzaehlungen des Weges, wie ein jeder andere Abend auch.

Estella - Burgos: 31. Oktober - 7. November 2007

Nach Estella geht es erst mal den Berg hoch. Ich laufe mit Michael aus Oesterreich. Ein Mittevierzigmann. Nach knapp einem Kilometer kommen wir am Weinbrunnen von Irache an. Das ist kein Witz. Tatsaechlich ein Brunnen der Wein gratis zum trinken spendet. Wir nehmen nur einen Schluck auf das Gelingen unseres Wegs. Wir reden ueber dies und das. Ueber Konspirationstheorien, Beziehungen usw. Michael bringt mir die Theorie der Spiegelgesetze naeher. Ich erzaehle ihm die Theorie der ganzen und halben Orangen. Beider waren wir von der Geschichte des anderen fasziniert. Dann kamen wir an Kim vorbei, die da sass und in jeder Hand die Haelfte einer Orange hielt. Wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen und waren beide sicher, dass dies ein Zeichen gewesen ist. An diesem Tag lief ich nach Viana ueber 36km. Ich habe Juanpi wiedergefunden und war uebergluecklich. Langsam verliere ich ihn wieder, aber er ist mir immer naeher. Am naechsten Tag kommen wir dann nach Logroño rein. Endlich. Ich knie auf die Erde meiner Mutter nieder und fange einfach an zu heulen. Es kam einfach so ueber mich. Endlich, endlich fuehlte ich mich zu hause. Abends dann die Calle Laurel. Auch bekannt als die Senda de los Elefantes. Die Tradition will, dass man hier von Bar zu Bar geht und ein Tinto mit Tapa zu sich nimmt. Die Strasse ist aber so besetzt mit Bars, dass man am Ende unweigerlich besoffen ist. Die Leute sehen dann angeblich Elefanten!!! Mir ist das natuerlich noch nie geschehen. Die Tage danach sind farbenfroh. Weinfeldern und noch mehr Weinfeldern in den Farben des Herbsts. Wunderschoen! Dann Burgos. Hier werde ich einen Tag ausruhen. Luca, Ingrid und Miguel werden weiterziehen. Ich moechte mir aber die Stadt unseres Nationalhelden "El Cid" genauer ansehen.
Zum Abschied trinken wir im Hotel Jacobeo alle zusammen noch 3 Flaschen Wein bzw. Calimocho (Wein mit Cola). Real Madrid spielt 0-0 in Athen...

Freitag, 16. November 2007

Puente la Reina - Estella: 30. Oktober 2007

Heute hatte ich Geburtstag. Ich bekam gleich morgens ein Happy birthday von 20 Pilgern gesungen. War echt klasse. Abends wurde ich dann noch bekocht. Es war echt schoen. Und zum ersten mal habe ich eine Rede gehalten. Der Anlass war es wert!
In Estella finde ich es nicht so lustig. Ich mag mich noch erinnern, dass vor einigen Jahren hier die Partei der Terroristen die Mehrheit in den Kommunalwahlen erlangt hatte. Echt grausige Vorstellung!!!
Morgen geht es weiter. Die echte Heimat ruft... !

Roncesvalles - Puente la Reina 26. Oktober - 29. Oktober 2007

Es ist eine wunderschoene Gegend hier. Aber das ahnte ich schon. Deshalb schreibt man auch Navarra mit zwei "r", damit man es hart und stolz aussprechen kann/darf. Die Landschaft ist noch gebirgig aber langsam sieht man die schoene rote Erde. Die gleiche Erde, die ich von meiner Mutter Heimat kenne: La Rioja. Ich kann es kaum erwarten dahin zu kommen. Das geht aber noch einen Moment. Bis dann darf ich mich an den Spargelnfelder erfreuen und Ingrid immer wieder erzaehlen, wie gut die doch sind und das die in der Rioja noch besser sind. Ich glaube sie kann es schon auswendig bzw. nicht mehr hoeren.

Hier in Spanien laufen wir noch parallel mit anderen Pilgern. Vincent ist noch dabei auch Claude. Neu dazu gekommen sind Luca ein herzensguter Italiener. Der sieht auch super aus... waere was fuer Brigitte!!!
Dann noch zwei nette Maedels (auch nur 20) aus Quebec! Hier muss man doppelt vorsichtig sein. Erstens darf man nicht den Fehler machen und sie mit "normalen" Kanadier verwechseln, zweitens muss man immer total angestrengt hinhoeren, denn sonst versteht man nichts. Franzoesisch ist eben nicht gleich franzoesisch... ;-))
Kim ist eine nette Person. Sehr musikalisch und fuer jeden Bloedsinn zu haben. Ihr verdanken wir die neuste Erkenntnis wie man testen kann, ob man betrunken ist oder nicht... (I can still feel my teeth)
Alegsandra ist wie die "Laila - Koenigin der Nacht" aus dem Lied der EAV. Wenn sie dich mit ihren blauen Augen anschaut waehrend du sprichst, bist du schon verzaubert. Ein paar von uns Maennern hat es da erwischt...
In Pamplona hatten wir alle zusammen einen riesen Spass. Der Wein hilft hier ein ganz schoenes Stueck mit. Kim hat in einer Bar dann Flamenco getanzt (kann man schon bald in Youtube sehen) und ich habe wie ein Huhn rumgegakert. Selbst fuer die Partyfesten Pamplonicas waren wir ein Amusement!
In Puente La Reina gab es dann noch mehr Wein. So dass wir alle am singen und Jodeln waren. Ich durfte nicht nur Uebersetzer spielen, sondern gleich auch noch in fast allen Sprachen singen. Da ich schon etwas ueber dem Limit war, hat sich das sicherlich fuer viele wie Chinesisch angehoert. Naja, die koennen auch den Unterschied nicht wirklich erkennen zwischen einem gut und einem schlecht gesungenen "Burebuebli". Mani Matter war auch von der Party zusammen mit Toto Cotugno. Most wanted hit war aber "the lion sleeps tonight". Arimbawe, arimbawe...

Dienstag, 30. Oktober 2007

Saint-Jean Pied de Port - Roncesvalles 26. Oktober 2007

Es ist noch dunkel, als ich durch die Gassen heimwerts ging... Da war ein Licht, das auf den Gehsteig schien... Nein, es war nicht das griechische Gasthaus mit dem Weltbekannten Wein.
Es war das Tor der Jakobspilger, welches wunderschön beleuchtet war.
Vincent und ich machten uns auf den Weg. Die meteorologischen Bedingungen sind viel besser als angekündigt. Jede steile Stelle wird von einer noch schöneren Aussicht gekrönt. Ein richtiger Wettkampf in berglicher Schönheit. Die Idylle wird nur von den Schüssen der Taubenjäger unterbrochen. Ich muss immer daran denken, dass wir uns hier im Baskenland befinden. Womöglich schiesst einer dieser Besserwisser auf das spanische Pilgerfreiwild.
Abgesehen aber von in französischer Sprache verfassten Wegweisern, welche heruntergerissen werden, sieht man ledigliche ein paar pro "dingsbums" Malereien.
Ich lasse mich nicht aufhalten und so kann auch Vincent und alle die anderen Pilgern nicht mit meinem Tempo mithalten. Ich rasse die steilen Wege wie ein Navara hoch. Am Refuge von Orisson beschliesse ich aber doch auf Vincent zu warten. Irgendwie fühle ich mich für ihn verantwortlich. Wieso weiss ich auch nicht...
Kaum treffen wir uns am ersten Gipfel senkt sich der Nebel so sehr, dass man nur noch 15m Sicht hat. Ein Genuss ist das auf über 1000m nicht mehr. Man hat fast schon ein komisches Gefühl der Natur freien Lauf zu geben, so bitterkalt wird es plötzlich.
Ich habe schon alles an was man anziehen könnte und so rasen wir auf Pass Nummer 2 zu.
Dann endlich ist sie da: Die Grenze zum Land meiner Wurzeln. Eine grosse steinerne Tafel mit dem Jakobssymbol und dem Wort "NAVARRA" bringen mich innerlich zu einem kleinen Glücksgefühl. Nur ein kleines aber. Das zu meinem Erstaunen. Mir wird beim steilen Abstieg nach Roncesvalles bewusst, dass ich doch in die Schweiz gehöre und das dies meine Heimat ist. Und so höre ich bei Ankunft in Roncesvalles Polo Hofer und Plüsch bevor ich die spanische Geschichte dieses Ortes erkundschafte. Ich merke langsam, dass 2 Herzen in meiner Brust schlagen und ich nicht eines zu wählen habe. Hoffentlich kann ich das und noch vieles mehr auf diesem Teil des Weges verinnerlichen!

Liebe Grüsse aus dem Land des Peperonis und des Weins.

Nogaro - Saint-Jean Pied de Port 19. - 25. Oktober 2007

Die letzten Tage in Frankreich. Ich schaffe es also noch vor meinem Geburtstag die Pyrinäen zu überqueren. Dieser Gedanke treibt mich an. Mein Körper mag nicht mehr. Irgendwie sind die Beine total schwer. Komisch denn wir laufen nie mehr als 32km...
Aber es geht uns allen so. Als würden die Pyrinäen, die man am Horizont bereits sehen kann, uns nur schon beim Anblick ermüden.
Wie aber schon die alten Heiligen, so laufen auch diese "Saints" unermüdlich weiter. Jeder sucht sich selber auf dem Weg und keiner hat sich bisher gefunden.
Der Weg schenkt einem nichts. Vorallem nicht mental. Man läuft und singt zusammen und doch ist man allein. Man geht ausseinander und trifft sich wieder. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Und da wir in Frankreich sind, scheint es niemanden zu stören, wenn sich jemand französisch verabschiedet. Ich habe aber gewaltige Mühe damit. Es sind Menschen an mich rangetreten, welche ich nicht verlieren möchte und doch nie wieder sehen werde. Sie alle haben etwas in mir bewegt. Aber der letzte Anschieb um die Kugel des Lebens ins Rollen zu bringen, werde wohl ich übernehmen müssen. Nach wie vor Versuche ich diese Aufgabe anderen zu übertragen. Es wird aber nicht gelingen. Leider! Zudem hat jeder genug auf dem Buckel.
Am Abend des 25. Oktober kommen wir da an, wo die meisten Pilger erst beginnen. Dementsprechend hat es ganz neue Gesichter im Refuge von Saint-Jean Pied de Port. Wir kaufen alle etwas ein und teilen so dies und das.
Ingrid wird hier einen Tag Pause einlegen. Ich gehe aber dennoch weiter. Ob allein oder mit jemanden, dass wird sich noch zeigen. Ganz k.O. bin ich. Aber Navarra ruft und der Ruf ist sehr stark. Stärker und kraftvoller als die 271PS des 2.5L Nissan Navara :-)

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Cahors - Nogaro 12. - 18. Oktober 2007

Der Ruhetag in Cahors hat uns echt gut getan. Vorallem mir! Ich war mental schon ziemlich müde und dachte wieder vermehrt an zu hause.
Der Ruhetag verging schnell und schon waren wir nach einer kulinarischen Minireise nach Spanien (Churros) und Belgien (Carbonnade flamande) wieder auf dem Weg.
Und damit wir gleich wieder die Härte spüren, wartete auch schon eine Steigung auf uns. Aber wie auch im Leben bekommt jede Anstregung ihre Belohnung. Für uns war es die Aussicht auf die Brücke de Valente und das zurückgelassene Cahors.
Oben angekommen, spürte ich das Verlangen schneller zu gehen. Es war "the return of the machine". Ich düste los und lies alles was lief oder kriechte hinter mir. Wie von der Biene gestochen oder auf Wettfahrt mit dem TGV (wir befinden uns ja in Frankreich).
Ein Supergefühl wenn die Beine gehen. Ich wünschte mir François wäre da gewesen... Das wäre ein spannender Wettlauf geworden. Wenn ich also jemals eine Chance gehabt hätte, dann an diesem 12. Oktober 2007.
Nach 43km komme ich in Lauzerte an. Ein schönes "ville"! Ich kaufe ein und geniesse meinen Triumph. Und wie das so ist wenn man da oben schwelgt, kommt jemand und holt einen wieder runter. In diesem Fall ist es ein Deutscher Namens Joachim. Er ist auch die Strecke gelaufen und war satte 1 1/2 Stunden vor mir da. Lockerleicht! Grrr, ich gehe gleich ins Bett!
Die nächsten Tage fallen unter das Motto "Die singenden Pilger"
::::: Oh when the saints.... :::::::::
Wir treffen auf André (Quebec), Claude (France) und Vincent (auch so n Franzose). Es wird immer lustiger und wir alternieren das Singen mit tiefen Gesprächen.
Die Nächte verbringen wir mit Essen und Quatschen, während sich die Gîtes gegenseitig zu übertreffen versuchen. Spitzenreiter bis jetzt: "les volets bleus; Décazeville" gefolgt von "le pélélerin d'occident; Lectoure"

Hier noch ein paar Impressionen vom Weg.... Viel Spass!


Donnerstag, 11. Oktober 2007

Espalion - Cahors 4. Oktober - 10. Oktober 2007


















































Viel ist passiert seit dem letzten Eintrag...
In Espalion war ich total k.O. Ich hatte die ganze Etappe zu wenig getrunken und auch fast nichts gegessen. Eigentlich wollten wir weiter bis nach Estaing. Das wäre aber unmöglich gewesen, wie sich am Folgetag herausstellen würde. Das Hoch und runter nach Estaing war äusserst Kraftraubend. Ich war froh, im schönen kleinen Städtchen anzukommen! Am Nachmittag durften wir die schöne Gegend geniessen. Ziel war Espayrac...
Beinahe hätten wir es nicht geschafft. Ingrid hatte immer mehr Mühe, die Berge bzw. die Anstiege zu meistern. Plötzlich bleibt sie stehen. Sie bekommt keine Luft mehr. Ich schimpfe mit ihr, hat sie doch viel zu wenig gegessen. Nein, sie hat gar nichts gegessen, nur einen Tee getrunken. Zuwenig um eine Etappe von über 30km zu meistern! Ich nehme auch ihren Rucksack, sodass ich noch dicker ausschaute als sonst schon. Nur diesmal fand ich es angenehm. Schliesslich wusste ich warum ich so dick ausschaute. Ich versuchte mich als Kavalier oder Held oder ein bisschen von beidem. Nicht mal einen Kilometer später brach Ingrid zusammen. Habe noch nie jemanden so die Augen verdrehen sehen. Die Zeit bis ich die beiden Rucksäcke unten hatte erschien mir eine Ewigkeit. Dann sofort der Griff zur Colaflasche. Ingrid hasst Cola im Gegenteil zu mir. So musste ich sie richtig dazu zwingen. Reichlich Schokolade und ein Aspirin machten den Rest. Wir schafften es bis Espayrac! Ich hatte richtige Angst! Was wäre passiert, wenn ich nicht so gehandelt hätte, fragte ich mich den ganzen Abend. Ich fühlte mich nicht mal als Held, sondern eher schuldig, dass ich nicht mehr tun bzw. diese Situation verhindern konnte.

Am nächsten Tag beschlossen wir eine kleine Etappe nach Conques zu machen. Die einzig richtige Entscheidung! Es regnete und wir kamen fast nicht weiter. Kein Wunder ich hatte alle Hände voll zu tun beim Kastanien sammeln. Bei den vielen Kastanien hätte ich die nächsten 3 Jahre als Marroniverkäufer überleben können.
Conques ist ein schönes Dorf. Leider total auf Tourismus ausgerichtet...
Zuerst hatten wir geplant im Gîte der Abbaye zu übernachten. (Fragt mich nicht was genau eine Abbaye ist... Muss was zwischen Dom und Kloster sein.... Nicht? ) Dann sahen wir aber unsere Pilgerkollegen ins Gîte Communal gehen und beschlossen zu wechseln. Es war nicht gerade die bessere Unterkunft. Die Duschen und Toiletten waren im Nebengebäude genau wie die Küche. Das ganze war auch ziemlich rustikal, aber an das haben wir uns schon lange gewöhnt.
An diesem Abend habe ich mich sehr über Ingrid aufgeregt. Ich hatte mich so gut um sie gekümmert und wurde als Dank vor den anderen Pilgern blossgestellt. Wir hatten picknick um 17 Uhr und hatten alle Desserts für später aufgehoben. Ich hätte gerne noch was zu essen gekauft; sie war aber satt! Da sass ich nun da mit Mars, Waffeln und anderen Zuckerwaren am Tisch. Peter und zwei Franzosen liessen sich einen Salat mit Tomaten und Kastanien schmecken. Da wechselt Ingrid plötzlich zu ihnen an den anderen Tisch. Hmmm, wie gut alles sei... Da sass ich wie Trottel da und muss mir von Beatrice anhören wie schlecht "mein" Essen sei und dass sie sich nicht wundere das die arme Ingrid so bleich und schwach sei! Ingrid ass weiter und ich ging schlafen ohne mich zu rechtfertigen. Hatte keine Lust die ganze Story zu erzählen. Dafür war der Angriff einfach zu plump!
Am selben Abend konfrontiere ich sie mit der Geschichte und da erfahre ich, dass sie unter Bulemie leidet und zwischen den zwei Mahlzeiten kotzen musste. Im nächsten Moment fühlte ich mich schuldig und beschloss ihr über die restlichen Berge zu helfen.

Am nächsten Tag ist es soweit. Wir müssen aus dem Tal von Conques wieder in die Berge hinauf. Für die ersten 3km brauchen wir 3 Stunden. Ich beschliesse, dass jedes rot-weisse Wanderzeichen ein Zwangstopp für Ingrid ist. Ich hatte Angst, dass sie den steilen Anstieg überhaupt nicht schafft...
Der Tag wird besser und endet mit dem schönsten Gîte bislang auf dem Weg. "Les volets bleus" wird von Nanja betreut. Eine charmante und gutaussehende Holländerin, die mir im Verlaufe des Abends erzählt, wie sehr sie in Spanien verliebt ist. Meine Welt ist wieder in Ordnung!

Auf dem Weg nach Figeac gibt es noch einige Steigungen. Jeder von uns würde sie lachend übersehen. Für Ingrid ist aber jeder Berg ein Mount Everest. Sie hat Kreislaufprobleme und die am Vortag gekauften Medikamente schlagen nur langsam an.
Endlich dann Figeac! D.h. McDonalds und Stadtbesichtigung! Die Franzosen würden dies wohl als Miam-miam-dodo-Abend bezeichnen!

Jetzt sind wir immernoch zusammen auch nach 3 weiteren Tagen. Langsam wird es Zeit sich zu verabschieden. Wir haben nichts mehr dem anderen zu geben. So ist es auf dem Weg und jeder ist sich dessen bewusst. Schade, dass wir uns im Nicht-Pilger-Leben jeweils so schwer tun dies zu akzeptieren.

"Akzeptieren" und "Weitergehen" scheinen zwei Hauptwörter auf dem Weg zu sein. Vielleicht auch die Wörter, auf die ich bei meiner Rückkehr mehr achten sollte.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Le Puy en Velay - Espalion 28. September - 3. Oktober 2007

Hallo Freunde und Bekannte

So nun bin ich endlich wieder da wo ich hingehöre; auf dem Weg nach Santiago.
Der Weg ab Le Puy ist härter, als ich das am Anfang glauben wollte. Zum Glück habe ich gleich nach dem Verlassen der Kathedrale Ingrid getroffen. Als hätte das Schicksal geahnt, dass ich jemanden zum Reden brauchte. Wie ich später herausfand, ging es Ingrid genau gleich.

Ingrid ist 20 und kommt aus Salzburg. Sie ist den ganzen Weg von dort gelaufen. Neben ihr komme ich mir wie ein Würstchen vor. Oder besser gesagt wie ein Cervelat/Chorizo.
Wir laufen hier in den Bergen an die 30km pro Tag; unglaublich! Das Wetter hat es aber auch bisher gut mit uns gemeint. So konnten wir die wunderschöne Gegend nach Le Puy in vollen Zügen geniessen. Ein richtiges Naturschauspiel. Das Aubrac ist echt eine Reise wert! Hier sind die Häuser, wie ich es von Frankreich erwartet hatte: Steinhäuser wunderschön mit Blumen verziert.

Ingrid und ich reden viel, lachen aber noch mehr. Wir verstehen uns blendend, da wir auch in etwa das gleiche Grundproblem haben. So können wir auch zeitweise stundenlang philosophieren. Man wäre erstaunt über unsere philoshophischen Gedanken. Echt! Vielleicht schreiben wir ja dann mal ein Buch. Philosophie des Jakobswegs (oder so). Und wenn wir mal still sind, dann rollt der Alpenexpress an Pilgern vorbei und lehrt ihnen das Fürchten.

Heute bin ich k.O. deshalb werde ich jetzt einkaufen gehen und Essen. Waschtag ist schon erledigt.

Ich freue mich über jeden Kommentar von Euch, auch wenn ich vielleicht nicht darauf eingehe...

Sonntag, 16. September 2007

21. August - 1. September 2007: Genève - Le Puy en Velay




Hallo allerseits. Endlich komme ich dazu etwas über die Franzosen zu schreiben...
Nein, die Franzosen sind sehr nett. Hätte ich nicht gedacht, als ich am Dienstag über die grüne Grenze geschritten bin. Es schien mehr so, als würde das wie der erste Weg in Frankreich sein: steil hinauf. In France gibt es viel zu sehen, davon bin ich überzeugt... Mir sind aber vorallem drei Dinge aufgefallen: es gibt keine öffentlichen Brunnen, dafür vieleviele Hunde und vorallem noch mehr Käse. Wäre ich jetzt böse, würde ich behaupten: "In Frankreich ist alles Käse!"... :-) Nein wirklich, ein Frankreich ohne Käse ist nicht vorstellbar. Schon am ersten Abend im kleinen Ort Chez Gresat gab es bei den Gastgebern nach dem Abendessen eine Käseplatte zu geniessen. Ich liebe diese in jeder erdenklichen Form gegorene Milch! Vergessen war dann, dass ich am ersten Tag zuerst mal regelrecht geduscht wurde. Als müsste man zuerst eine Art von Hygieneparcours durchlaufen, um in die grosse Nation Einlass zu kriegen. Wie gesagt, der Acceuil Jacquaire an jenem Abend kompensierte den Regentag. Ich wurde super behandelt. Es waren ebenfalls Pilger, die den Weg in Etappen durchlaufen. Sie waren gerade am Planen, und so hatten wir eine sehr nette Unterhaltung.
Am Tag darauf ging es durch Wald und Wiesen nach Seyssel bzw. nach Côtes Haut. Eine wunderschöne Gegend. Im Vergleich zu Genf ist es hier traumhaft erholsam, selbst wenn man an die 30km pro Tag läuft. Das Departement Haute Savoie ist echt eine Reise wert!
Am dritten Tag bin ich nach Yenne gelaufen. Über 40km sind das. Meist entlang der Rhone und an echt schönen Dörfern vorbei. Chanaz beispielsweise ist traumhaft schön! Naja, für die Franzosen sind das aber keine Dörfer, sondern meist Städte... das habe ich nicht ganz verstanden, zumal eine solche "Stadt" nicht mehr als 3000 Einwohner hat. Vielleicht kann ja Franci ein Kommentar dazu schreiben.
Nach Yenne geht es hoch zum Mont Tournoi oder so. Das war vielleicht anstrengend bei vollem Sonnenschein. Ich als Safariwanderer ausgerüstet, war wie im falschen Film. Es war eine Bergetappe wie an der Tour de France. Am Schluss zählt nur noch der Wille, um die unendlichen Serpentinen zu meistern. Da der Gipfel dabei nicht zu sehen ist, sondern nur zu ahnen, wird das ganze noch schwieriger. Ein echter Glaubensakt in sportlicher Hinsicht! Als ich dann oben war, ging plötzlich alles leichter. Kein Wunder es ging dann auch bergab... :-)
Da wurde ich in einem kleinen Restaurant (um es mal so zu nennen) zum ersten mal übers Ohr gehauen. 13 Euro für einen kleinen Salat und eine Cola. (Ja, wirklich nur eine.) Das ist einfach zu viel. Es war ja schliesslich nicht im Geburtsort der Kondome. :-)
Schliesslich erreiche ich an diesem St Genix sur Guiers am Departementsende. Ich kann mich in einem Camping der Luxusklasse erholen und zahle nur 15Euro. Dafür überzeugt mich der Inhaber, den Abschlussabend mit den Gästen zu verbringen. Magie und Lasagne für nochmlas 15 Euro. Bei uns geschenkt, für einen Pilger aber schon ein gehöriges Geld. Am nächsten Tag geht es Richtung Valencogne bzw Le Pin. Meinem Safarihut hat es so gut im Camping gefallen, dass er gleich da blieb. So etwas Blödes. Lasse nichts und niemanden gerne zurück. Was der arme Safarihut noch alles durchmachen muss, ohne seinen Herrn den ihn beschützt. So komisch es auch klingen mag, es sind echt solche Gedanken, die mich die nächsten 20km beschäftigen. Bis zur Mittagspause in Les Abrets bzw in einem Intermarché am Rande des Ortes. Ich kaufe so ein Sandwich, ein Snikers und 3 Coladosen. Setze mich ein paar Meter von einer Tankstelle entfernt auf den schattigen Boden und sehe zu, wie die Autos mit gelben Schildern getankt werden, während ich selber wiedermal Zucker tanke. Es ist ein heisser Tag und ich bin froh, wieder im Wald ein Stück laufen zu dürfen. Irgendwann setze ich meinen Hintern mitten auf einem Weg. Eine Minipause muss sein. Ich frage mich wem die Fahrräder sind, die vor mir an einem Baum angelehnt sind. Dann kommt plötzlich ein Vater und seine zwei Söhne. Sie waren Pilze sammeln für ein französisches Omelett. Er fragt mich nach meinem Tun und so kommen wir ins Gespräch. Von wo ich komme. Aus Zürich gebe ich zu. Wo das sei, fragt er mich dann. Sie wissen Zürich in der Suisse... Der man schaut mich erstaunt an und fragt, ob ich dann aber nur bis Le Puy ginge oder ganz. Ich erwidere ganz nach Santiago. Erstaunt wünscht er mir eine gute Route und zieht mit seinen Kindern weiter. Zehn Meter weiter kann ich noch hören, wie einer der Söhne fragt, wo denn Santiago liege. "In Spanien mein Kind ganz weit weg. Ich zeige es dir zuhause dann im Atlas." Eine echt schöne Erfahrung, genau an einem Zeitpunkt, als man vielleicht zu zweifeln anfing. Ich komme schliesslich in Le Pin Plage an. Das liegt am Lac de Paladru. Die Aussicht meiner Bleibe ist einfach wowzig und die Gastgeber sind extrem liebenswert. Es sind noch andere Gäste da, Franzosen und eine belgische Familie. Die Belgier sind Flamen. Ganz nette Menschen und eine superpolitische Diskussion, die keine war, denn wir alle haben die gleiche Ansichten über ein gemeinsames Europa. Auf diesen Traum erheben wir unsere Gläser gefüllt mit dem Wein so rot wie das Blut der französischen Erde...

Tag 6 brachte mich nach Côte St. Andre. Geburtsort von Berlioz. Anscheinend ein berühmter Musiker. Dieser Ort gilt als Stadt hat aber kaum mehr Einwohner als Langnau am Albis. Bietet aber seinen Steuerzahlern sicherlich mehr als das Kaff meiner Jugend.
In meinem Leben habe ich noch nie so viele Hunde gesehen, wie hier. Hinter jedem Zaun mindestens ein Hund. Bellen und noch mehr bellen. Wenn die Theorie stimmt, dass die Hunde ihren Haltern ähneln, spricht dies nicht gerade für die Franzosen. Hunden die bellen....
Irgendwie erinnert mich dies an eine Witz, den ich vor Jahren in Petit Rechain im Herzen Valloniens gehört habe. Den mit den "grands ... "... ich erzähle hier nicht weiter, ihr wisst schon warum und schliesslich habe ich mein Witzschild nicht dabei... :-)

Der Rest der Reise (Côte St. André - Le Puy) war echt anstrengend. Die körperlichen Probleme haben zugenommen: Knie und vorallem die linke Fussohle fühlen sich mehr als überlastet an. Ich musste in Le Puy ein Timeout nehmen. Den Weg abbrechen und mich zuerst mal erholen. Zu diesem Entscheid hat sehr stark der Wunsch beigetragen, die Basketball EM mitzuverfolgen. Ein Ereignis, dass ich nicht verpassen wollte. Basketball ist definitiv eine grosse Leidenschaft von mir. Das habe ich sehr stark gespürt. Vielleicht sollte ich etwas damit machen. Sprich Leidenschaft und berufliche Tätigkeit auf eine erdenkliche Art verbinden.

So bin ich jetzt im schrecklisten Kaff der spanischen Küste (Fuengirola) und schaue fern, esse und pflege meine Füsse. Am 18. September geht es weiter nach Figeac, von wo ich hoffentlich wieder etwas bloggen kann.

Liebe Grüsse an all meine Leser








Montag, 20. August 2007

20. August 2007: Genève

Heute ist ein Ruhetag angesagt.
Ruhetag was den körperlichen Teil anbelangt. Den psychisch war er sehr kräftezerrend. Zuerst regnet es, dann ist mein Reiseführer hier nicht auffindbar und dann muss man sich noch mit der diplomatischen Gleichgültigkeit dieser Genfer rumschlagen.
Eine Stadt zum Vergessen.
Habe mir einen Reiseführer gekauft und bin noch etwas shoppen gegangen. Dann noch eine Bleibe in der Jugendherberge gefunden und Tagebuch geschrieben. Ein trostloser Tag irgendwie. Aber so ist das Leben - es hat auch trostlose Tage.

Morgen Grenze überschreiten. Die grande Nation wird mich für die nächsten knapp 2 Monate aufnehmen. Hoffentlich sind die Franzosen nett.

19. August 2007: Gland - Genève

Nach einem Frühstück der Oberklasse für Pilgerverhältnisse mache ich mich auf den Weg. Wiedermal ohne Etappenziel. Prangins, Nyon, Céligny lasse ich schnell hinter mir. Kirchen sind hier keine geöffnet und so komme ich auch nicht zu meinen Stempeln. Es ist Sonntag und die T-infos haben auch zu. In Restaurants wird man angeschaut als könnte man nicht lesen. "Hunde müssen draussen bleiben". ICH BIN KEIN HUND, BIN EIN PILGER! Die Menschen hier gehen mir auf den Keks. Mehr als einmal hätte ich jemandem meinen Stock als unfreiwilige Kopfbedeckung gegeben. Dann kommt der Kanton Genf. Versoix. Keine wirkliche Verbesserung der Menschen. Eine Villa mit "Privé" jagt die andere. Ich kann jetzt denn Hass in mir auf solche Reiche richtig spüren. Eigentlich aber arme Menschen, die sich hinter Gittern und Zäune verstecken müssen, weil sonst ihnen möglicherweise etwas von ihrem Reichtum mit den Augen wegstehlen könnte.
Dann kommt Genf endlich. Wieder mal mehr als eine Etappe gemacht. Juhuuu! Zumindest bis in die Stadt rein. Habe wieder nicht vorzeitig organisiert und muss für ein versiftes Hotel 80CHF zahlen. Die T-Info hat hier auf. Aber wie ich hier schnell zu einer Accreditation du pélérin komme wissen die auch nicht. Interessieren sich ja nicht mal gross dafür, obschon ich der einzige "Kunde" weit und breit bin. Eine Scheissstadt! Bin ich froh, dass ich aus Zürich bin.

18. August 2007: Lausanne - Gland



Los geht's. Ab nach Genf. In 3 Tagen sollte man es erreichen. 2 Tage sind zu knapp.
Ich stehe um 8 schon auf der Strasse. Tankfüllung und schnell am See entlang nach "wir werden sehen". In Wahrheit habe ich noch keine Ahnung wo ich übernachten werde/möchte. Will einfach mal nur laufen und den Weg geniessen.
Bald treffe ich auf ein anderes Pilgerpäarchen. Die eine ist tatsächlich Ursina aus der Hagenegg. Lustig wie man sich immer wieder trifft. Ich marschiere mit den beiden.
Und wie es so ist, hat jeder etwas über die anderen Pilger auf dem Weg zu erzählen. Wie eine grosse Familie, die über Kilometer verstreut separat voneinander läuft. Wir amüsieren uns die ganze Strecke bis nach Morges. Hier wird eingekauft. Im Laden mit dem grossen M's besorgen wir uns ein Picknick und was Mann und Frau sonst noch brauchen. Da plötzlich kommt ein kleiner Mann auf uns zu und fragt uns, ob er uns irgendwie helfen könnte. Er habe gesehen, dass wir Pilger sind. Wollte uns eigentlich was zu essen kaufen. Ob es recht sei, wenn er uns 20Franken anbiete. ??? Wir mussten natürlich ablehnen. Wer weiss, vielleicht ändert sich diese Einstellung auf dem Weg noch. Der Mann war wirklich herzlich von uns angetan. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir ihn mit unserem "nein" etwas brüskiert haben könnten.
Wir picknicken am See. Ursina macht noch ein Schwimmchen im See. Wäre ich nicht so prüde, hätte ich am liebsten auch geplanscht. Weiter geht es nach St. Prex, wo ich den einzigen Stempel der Etappe für meinen Pilgerpass bekomme. Man sieht schnell, dass man hier in einem reformierten Kanton ist. Die meisten Kirchen sind zu und Pilger sind was familiäres mit Marschmännchen. Kurz nach St. Prex muss ich die beiden ziehen lassen. Meine Achillessehne möchte mich für sich alleine haben. Ich kann kaum noch laufen. Ein "S" nach rechts, dann wieder eins nach links. Ich denke ans aufgeben. Zu diesem Zeitpunkt fühle ich mich einfach nur so wie die Häufchen links und rechts des Weges. Ein Hund zu sein, dass wäre schon schön. Aber da geht nichts, muss weiter. Mein Stolz hilft mir über die Zweifel hinweg. "Plus ultra" - immer weiter. So steht's auf der spanischen Flagge. Immer dieser Patriotismus für Anfänger. Ach, wenn ich nur wüsste, wohin ich gehöre und wer ich überhaupt bin. Ich würde diesem Leiden ein Ende bereiten. Aber dafür bin ich auf diesem Weg, um möglicherweise eine Antwort auf diese Frage zu finden.
Ich hinke voran. Musik begleitet mich dabei und tröstet meine Melancholie des Augenblicks. Die Gegend ist wunderschön. Ich denke daran, wie schön es wäre, diese Aussichten bei herrlichem Sonnenschein mit jemanden zu teilen. Bin halt immer noch im alten Muster. Versuche es für mich zu geniessen. Ertappe mich aber beim Versuch und so wirkt das ganze verfälscht und unnatürlich. Igitt!
Ich komme in Allaman an. Hier sind die anderen zwei abgestiegen. Schöner Ort. Ich beschliesse aber noch weiter zu gehen nach Rolle. Will schon noch dieses Infiniti Headquarter sehen. Plötzlich geht es. Wieso? Keine Ahnung. "I'm walking on sunshine" klingt aus den Kopfhörern. Jawohl, ich marschiere wirklich unter Sonnenschein und versuche mich gut zu fühlen. Sowas, ein Slogan zu meinem Gemütsstand. Tanzen wäre jetzt was. Muss an die Prism Party im Oktober denken, welche ich verpassen werde.
Rolle ist erreicht. Ich kann soeben noch einen Fuss in die sich um 18Uhr schliessende T-info-Türe setzen. Kein Zimmer in Rolle mehr frei. Dafür kriege ich aber ein Büchlein mit Adressen für die Umgebung. Ich telefoniere und finde nur noch was im 6km entfernten Gland. Ich schleppe mich also noch dahin. Angekommen treffe ich ein Märchen von einer Bleibe bei einer Frau, die mein Tun bewundert. In aller Hinsicht ein Auftanken, nach einer langen und durchtriebenen Etappe. Ich setze mich aufs Bett und denke einfach mal nichts. Ist das erlösend. So was sollte ich öfters haben.

Freitag, 17. August 2007

17. August 2007: Vucherens - Lausanne

Geschafft. Wir sind in Lausanne angekommen. Ist die Stadt steil. Nein, diesmal nur im geografischen Sinn! Bin einfach nur froh, hier zu sein. Habe auch zur Zeit keine Schmerzen und werde wohl schon morgen weiterreisen können.
Und dabei hat der Tag mässig begonnen. Wetter schön, aber tanken konnte ich erst 90min später. Ich bin also mit dem Nottank gelaufen. Der besteht aus Wasser. Kurz nach Montpreveyres verliere ich Andreas. Er muss seinen Rhythmus gehen und ich meinen. So ist es im Pilgerleben ein "Lebewohl" ohne Worte. Ich bin aber froh, meinen Tritt wieder finden zu dürfen und "meinen Weg" zu gehen. Hoffe, dass es Andreas auch so geht. Bin irgendwie aber überzeugt, dass es so sein muss. Mein Engel von Romont ist also weg. Ein anderer wird aber kommen und zuweil werde auch ich unbewusst Flügel bekommen. So soll es wohl auf diesem Weg sein. Und auch im Leben? Ich denke mir die Antwort an dieser Stelle.
Im Wald nach Montpreveyres verlaufe ich mich zunächst im Regen. "Verdammt!" und alles Ähnliche was ich auf Spanisch kenne verlassen meine Rachen Richtung Freiheit. Ich stehe wie ein Comic-gezeichneter Esel an einer Verzweigung mit 4 Alternativen und einer Wegschilderung à la Romande. Nehmen wir Alternative B. Naja, falsch aber ein guter Pfadfinder orientiert sich ja leicht und läuft automatisch in die richtige Richtung. Nur war ich nie ein Boyscout! Zumindest war ich aber mal boy und so finde ich den Weg wieder. Schneller als eine Frau behaupte ich jetzt mal! (So alle Mädels, jetzt aber kräftig in die Tasten hauen und mit Kommentaren protestieren! Die Anmeldung kostet nichts!)
Ich erreiche Chalet à Gobet, dann Epalinges und dann Lausanne! Juhuu!
Hier kaufe ich mir einen Gurt. So ein Luxus! Ein paar neue Kopfhörer und was zu futtern. Bin immer noch so schwer wie vorher und mein Bierbauch vom Cola habe ich auch noch. Fühle mich aber körperlich fitter als die vorangegangenen Tage. Werde morgen Genève ansteuern, das ich hoffentlich Montag 20.August erreiche.
So werde nochmals irgendwo tanken gehen.
Bis bald!!
Pablo

16. August 2007: Romont - Vucherens

Laufen mit Andreas ist ganz was anderes, als allein zu laufen. Der Typ ist einfach schneller. Jedoch plagt ihn auch ein Fuss und so kann er nicht ganz seinen normalen Rhythmus laufen. Frage mich den ganzen Weg, wer wohl schneller ist. Andreas der Schnelle von Lache in normalen Laufrhythmus oder François. Ich würde mein ganzes Geld auf François setzen. Sowas wie ihn habe ich noch nie gesehen. Kann mir nicht vorstellen, dass Andreas eine Chance hätte.
Oftmals hat mich François gefragt, ob ich mit ihm eine Wanderung durch die Berge macht. Habe bisher immer abgesagt, weil ich ihm einfach nicht nachkommen würde. Mir fällt dann immer die Geschichte vom Hasen und Igel ein: "... Bin schon da!"
Es regnet und einen Tag aufzuholen und direkt nach Lausanne zu laufen, ist einfach nicht drin. Total unterkühlt vom kalten Schweiss komme ich in Moudon an. Dazu noch Knie und Muskelschmerzen! Heute mögen zwar noch alle Wege nach Rom führen. Für mich und Andreas aber kein Pilgerweg nach Lausanne. Ich schleppe mich in die Apotheke, um was Nachschub an Tigerbalsam zu besorgen. Andreas kommt mit und kriegt einen 2m grossen männlichen Apotheker. Ich eine blauäugige nette Romande. Wer möchte mich immer hier testen? "Darf es noch was sein?" - "Hey, was?". Typisch! Wie lange muss ich auf diesem Weg bleiben, um mich davon loszureissen? Oder bin ich am Ende einfach nur ein Ästhet des Lebens? Wie dem auch sei, ich muss hier einfach etwas ändern oder verinnerlichen, denn so rege ich mich im nachhinein nur selber über mich auf.
Nach Moudon verlaufen wir uns im Wald kurz nach Bresonnaz Desous. Ich bin vorgelaufen und Andreas wie ein Muni mir hinterher. Haben doch tatsächlich eine kleine Brücke über die Carouge verpasst. Zum Glück ist Andreas als Oberleutnant ein guter Kartenleser. Er findet die Brücke 30min danach. Später meinte er, ich hätte nach der Ortstafel nur noch an "Desous" gedacht und mich deshalb verlaufen. Tja, er ist mir aber einfach hinterher. Selber "Desousdenker"!
Kurz vor Syen ist es aus. Meine Achillesehne hat sich mit den Knieschmerzen und dem Muskel des Oberschenkels alliert und geben mir ein Ultimatum! Ich muss Zwangspausieren und Andreas allein nach Vucherens ziehen lassen. Da haben wir unsere Unterkunft bereits reserviert. Ich denke an eine Frau, dessen Namen ich nicht nennen mag. Ob sie auch an mich denkt? Wohl kaum! Ich denke ans Aufgeben und wie blöd es wäre, wegen einer kapputten Sehne nicht mehr Basket spielen zu können. Da passiert es. Das deutsche Pärchen überholt mich kurz nach meiner Sitzrast. "Tja, das geht wohl nur noch ins Spital." meint Schnabel. Sieht wohl so aus. Sie ziehen etwas besorgt und etwas schadenfroh weiter. Ein Lächeln 20m vor mir kann ich entnehmen. Nicht mit mir! Mein spanischer Stolz bricht voll aus. Ich humple den zwei hinterher. Kann ihnen nicht folgen. Aber aufgeben? Nein, nicht jetzt nach diesem Happening! Ich hole sie dann bei einer ihrer Pausen ein. Wir tauschen uns aus und verabschieden uns kurz später wieder. Bin nämlich in Vucherens angekommen. Und weil Gott ein guter Gott ist, schenkt er mir etwas für die Mühen des Tages. In einer Kurve sehe ich auf einer Weide das schönste Fohlen auf der ganzen Welt. Und was, es kommt sogar auf mich zugesprungen! Nur ein kleiner aber doch so grosser Moment des Glücks. Dieses Fohlen weckt zum ersten Mal auf diesem Weg, den kleinen verlorenen Jungen in mir. Und diese Konstelation tröstet es. Ich kann es genau spüren. Ich bin einfach nur glücklich! Am liebsten hätte ich es mitgenommen und es einem Pferdeliebhaber wie Fabios Janine gezeigt. Aber es soll nicht so sein, denn es ist mein Fohlen. Für immer!
In der Unterkunft erwartet mich schon Andreas. Die Bleibe ist für 25CHF Spitze. Wir kriegen sogar eine Flasche selbergemachten Most. Hmm!
Na dann, Prost!
und
Gute Nacht!

15. August: Fribourg - Romont

Für die Etappe nach Romont braucht man ungefähr 8 Stunden. Also bin ich um 8Uhr auch schon auf dem Weg. Tanken bei La Gare und weiter. Kaum bin ich aus Fribourg raus, steht ein Wanderschild mit "Romont 6h10". Was? Die Romands verzählen sich doch mal wieder, denke ich. Vorbei an Villars-sur-Glands und Ecuvillens (hat einen Flughafen) komme ich in Posat an einem Restaurant vorbei. Das kommt mir gelegen, denn ich bin schon ziemlich k.o. Die Etappe von gestern hat mich doch mehr Kraft gekostet, als ich gedacht hatte. Aber ich wollte die Kompensierung des Ruhetags - was ich gestern geschafft hatte - sowas wie bestätigen. Wie beim Tennis: Ein Break durch ein gewonnenes Aufschlagspiel bestätigen.
Ich esse und mache Pause während einer Stunde. Das habe ich gebraucht!
Weiter nach Autigny, nicht aber ohne von den heiligem Wasser des Brunnes von Posat zu trinken. Die Sonne scheint, das Leben ist schön und Autigny auch sobald dann erreicht. Ich muss aber dringend aufs Klo. Vali, kennst du das noch? :-)
Uf, geschafft! Ein kleines Getränk um den Stuhlgang mit einer Konsumation zu kompensieren. Ein kleines Gespräch mit den Einheimischen und schon geht es Richtung Romont weiter. Romont soll ein Wortspiel zwischen "rond" und "mont" sein. Tatsächlich meine Füsse, die mich non-stop erinnern, dass sie die Helden sind, erlauben mir den Blick auf diese Stadt auf einem rund anmutenden Hügel. Steil berghoch geht es in die Stadt - wie in Fribourg!
Dann der Test des Tages. In der Kirche kein Stempel, in den Hotels kein freies Zimmer. Und das Hotel des heiligen Georg ist zu. Ist wohl gerade am Drachentöten, was? Grrr!
Ich setze mich auf einen Bordstein an einer Ecke beim Eingang in die Stadt. Der Blick ist schwer und gilt meinen Füssen. Zuvor hatte ich ihnen versprochen, sie in ein Hotel zu nehmen, falls sie mich bis Romont bringen. Sie schauen irgendwie traurig aus. Denn so wie es aussieht müssen sie 31/2 Stunden weiter nach Moudon. Ich nehme also mein Handy und will nachfragen, ob in Moudon ein Hotelzimmer frei ist. In diesem Augenblick kommt aber von hinten Andreas der Schnelle von Lachen. Er hat natürlich, organisiert wie er ist, eine Adresse von einer Familie in Romont, welche Pilger aufnimmt. Die haben auch Platz. Das ganze für 28CHF die Nacht. Wow! Andreas meint, er sei heute mein Engel gewesen. Er hat recht!
Abendessen und Erfahrungsaustausch zusammen mit einem Pärchen aus Deutschland (wo genau habe ich vergessen). Die Frau erinnern mich an Schnabel aus Hape's Buch. Ich halte aber meinen Schnabel dazu und geniesse Konversation, Essen und die Bedienung einer temperamentvollen aber charmanten Dame. Sie war Französin aus der Normandie und verstand auch nicht warum sie in Romont "octant" statt "quattre-veint" sagen. Naja, wir sind hier ja auf dem Jakobsweg. Der endet in Spanien und da sagen wir halt "ocho" zu acht. So ist das sicherlich hängen geblieben. Nich war Santiago?

14. August 2007: Wattenwil - Fribourg

Unglaublich, was ich heute geschafft habe!

Liebe Füsse, ich bin stolz auf euch!

Bin ganz früh raus und gleich tanken gegangen. Tanken, d.h. bei Pablo morgens vor 9Uhr mindestens 0.5L Cola trinken. Eiskalt, versteht sich...
Mit gefülltem Tank geht es den Berg hinauf Richtung Riggisberg. Rauf und runter. Wie sollte es sonst sein... Wie das Leben eben, denke ich und schon ist es leichter zu ertragen. Aus meinem MP3 klingt "Looking back, over my shoulder...". Das tue ich dann gleich mal und sehe Eiger, Mönch und Jungfrau (jetzt kenne ich die Reihenfolge... ) im Sonnenlicht erwachen. Ein traumhafter Anblick, der viel besser ist als der von Unterseen oder Interlaken. Keine Menschenseele hier oben. Nur Kühe. Aber auch die haben eine Seele und so winke ich jeder Kuhherde "hallo". Um 9.15 bin ich in Riggisberg angekommen. Bin schon etwas müde und so kommt die Frage auf, ob ich Fribourg heute noch erreichen wird. Ich zweifle abzukürzen oder den offiziellen Jakobsweg zu gehen. Ich entscheide mich für letzteres. Gehe also zur Kappelle hoch, wo mich ein Stempel mit der Aufschricht "Riggisberg, Der Weg ist das Ziel" erwartet. Die Antwort auf die Frage, ob ich Fribourg erreiche. Ich gehe irgendwie glücklich weiter nach Rüegisberg, was ich auch ohne grössere Probleme erreiche. Super! Dann hält auch noch ein weisses Auto und fragt mich, ob ich auf dem Jakobsweg sei. Er (etwa 70 männlich) hätte es vor 3 Jahren gemacht. Was für ein Prachtskerl! Leider ist es nicht so bequem zu stehen und so gehe ich dann gleich rasch weiter. Der Mann fragt mich nicht mal, ob er mich ein Stück mitnehmen soll. Er hat den Pilgerweg bestimmt gemacht. Er hat verstanden...
Jetzt von über 900m ü M wieder runter nach Wislisau (glaube ich). Dann Pause mit einem Rivella (!). Weiter nach Schwarzenburg über die Hauptstrasse. Der Weg wird zwar dabei kürzer, aber auch deutlich schwerer. Als würde Santiago meine Füsse beschweren, wenn ich nicht seinen Wege gehe. Dann endlich Schwarzenburg. Es ist wirklich düster hier oder zumindest bilde ich mir das ein. Es ist auch schon nach 13Uhr. Keine Kappelle in der Nähe, dafür ein Coop mit einer schönen Mama, die mich verliebt anlächelt. Du darfst nicht.... Schnell weiter zur Kasse! Dann essen und... es regnet! Mist! Also Mülltüte über den Rucksack und Kuh-Outfit anziehen. Weiter nach Fribourg. Kaum bin ich über die Grenze regnet es auch nicht mehr. Der katholische Kanton heisst die Pilger mit einem wunderschönen Stein mit Jakobsmuschel willkommen. Ich fühle mich Santiago de Compostela plötzlich ein ganz schönes Stück näher. Jawohl! Ueber St. Antoni und Tafers, wo mich ein SPAR (=Tanne auf Finnisch) mit einer Tankfüllung rettet.
Fribourg ist schön, die Stadt, die Frauen (Pablo, wann änderst du dich mal) und die Atmosphäre. Nicht aber das Hotel. Egal, McDonalds für die Fettreserven und Fernsehen für den Informationsstand lassen meinen Tag abklingen.

13. August 2007 Unterseen - Wattenwil

Aufgestanden um 6.30. 3 Gipfeli zum Frühstück und auf den Weg. Ich stehe unter Strom und habe mir fest vorgenommen, die Schmach von einem Ruhetag innerhalb der ersten 2 Wochen wieder zu kompensieren. Will heute so weit wie möglich laufen. Somit auf direktem Weg zu den Beatushöhlen und dann ab vom offiziellen Weg direkt nach Thun, wo ich so gegen 13 Uhr ankommen mag. Ich komme vorbei an Merlingen, Guten und Hilterfingen. Eine traumhafte Gegend. Die Krönung: Es kommen mir praktisch nur Nissan Fahrzeuge entgegen. In einer Villa entdecke ich vor dem Eingang sogar einen Micra! Ich wusste es ... ! Bin halt doch noch sehr an dieses Unternehmen gebunden. Alles in allem war es eine schöne Zeit in einem richtigen und tollem Team. Die Leute, d.h. die Menschen da vermisse ich jetzt schon.
Ich erreiche Thun um etwas nach 13Uhr, gehe dann in die Kappelle von Scherzlingen. Die schönste Kappelle, die ich je gesehen habe, weil so altertümlich. Herrlich! Irgendwie habe ich das Gefühl diejenige von Quel (meiner Mutter Heimatdorf) zu betrügen. Komisches Gefühl, wieder bin ich zwischen Schweiz und Spanien gefühlsmässig hin und her gezogen. Wo gehöre ich hin? Wo sind meine Leute? Wer nicht mich auch als Mensch auf? Immer die gleichen Fragen...
Ich ziehe am Gros des Schweizer Militärs entlang Richtung Lerchenfeld und Uetendorf. Plötzlich summt es in meinem Kopf: " Stehst im Morgenrot daher..." Mir kommt eine Träne! Ich fühle mich doch wohl in der Schweiz, oder?
Es fängt zu regnen an. Also Kuh-Outfit wieder an und weiter! Ich komme mit dezimierten Kräften an einem Bauernhof nach dem anderen vorbei. Dann kommt es. Das schönste Dorf oder zumindest das am schönsten gelegen. Forst! Eine traumhafte Häuserreihe an einem kleinen Hügel. So schön! Mit Satelittenanschluss würde ich auf meine alten Tage sofort hierher ziehen wollen!
Dann endlich Wattenwil. Hier möchte ich mich für die Weiterreise am folgenden Tag erholen. Und so kommt mir das Universum entgegen (scheint wirklich so wie Hape schreibt zu sein). Ich finde ein B&B bei Fam. Messerli, die ein unglaublich liebvolles Zimmer mit eigener Dusche und WC für Pilger installiert hat. Super!
Mit letzter Kraft gehe ich dann humpelnd noch schnell in den örtlichen Coop. Migros scheint es in dieser Gegend sowieso keine zu haben. Ich kaufe was zu knabbern und futtere es gleich auf. Habe immer noch etwas Lust auf essen. So gehe ich zu einem Italiener und bestelle Spaghetti "Alio è olio". Che schifezza! Ein Italiener der die Spaghetti zu weich kocht. Ich bin sicher, seinem Vater würde er es nicht wagen, solche Nudeln zu servieren. Pfui!
Naja, bin müde und nicht auf Streit aus. Bin dann gegangen und habe ihm einfach gesagt, dass die Spaghetti zu weich sind und ich somit nur das Getränk zahle. Er akzeptiert. 30 min später bin ich im Bett und möchte Schäfchen zählen. Nein, keine Schäfchen bitte, zumindest nicht bis die letzte Affäre verdaut ist.

12. August Unterseen-Interlaken (Ruhetag)

Ich bin nicht wirklich zum Schlafen gekommen. Dazu erwache ich noch mit Bauchschmerzen. Die Banane gestern Abend war eine schlechte Idee. Ich beschliesse ein Tag länger hier zu bleiben. Muss jedoch das Zimmer wechseln.
Ich überlege, ob dies überhaupt Sinn macht. Träume vom griechischen Strand. Und dann? Was dann? - Ich wäre gleich weit wie vor meiner Abreise. Nein, ich muss weiter auf diesen Weg, auch wenn es im Moment äusserst schwer ist. Ich ruhe mich also den ganzen Tag aus. Etwas essen, Internet und Siesta. Meine Achillessehne wird nicht besser. Muss wohl von Tag zu Tag planen und nicht weiter. Will kein Krüppel werden. Basketball bedeutet mir schon noch viel. So glaube ich zumindest, denn fühlen tue es im Moment nicht wirklich so. Ohne Achillessehne wird es aber nie mehr richtig möglich sein. Und in dieser Erkenntnis offenbart mir der Weg die erste Antwort. Ich möchte wissen, wie weit ich kommen werde. Aber das ist sicherlich die falsche Frage bzw der falsche Ansatz. Wie hiess es doch so schön in American History X "Mann kriegt keine Antworten, wenn man die falschen Fragen stellt. Die richtige Frage ist: "Haben mich die Dinge, die ich tue und die Antworten, die ich mir gebe bisher gegeben habe, glücklich gemacht?"" Nein.
Ich bin den falschen Dingen im Leben nachgejagt. So fühle ich es zumindest heute.
Mal sehen, wie weit mich der Weg noch bringen wird...

Samstag, 11. August 2007

11. August: Kienholz-Unterseen

Und jetzt sitze ich da, wo einst die Nissan Outdoor-Games stattfanden. Das Leben- ein Witz! Ich muss über diese Situation lachen.

Bin heute nach 9Uhr losgelaufen, musste ja schliesslich noch das Frühstück der 80CHF mitnehmen. Tja, Vali wäre stolz auf mich, denke ich zumindest! Steil berghoch geht es Richtung Giessbach und dessen schöne Wassserfälle. Dann Richtung Iseltwald am linken Ufer des Brienzersees. Kurz vor dem Ort geht der Jakobsweg in einer Aetsch-Schleife rauf den Berg nach Isch. Wie ich da oben angekommen bin, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls ist es traumhaft schön. Und wieder belohnt einen das Leben die Strapazen mit wunderschönen Momenten. Ich geniesse die Ruhe, die Sonne und die Aussicht. Wunderbar. Nicht mal eine Frau brauche ich jetzt. Tut sich denn langsam was in meinem Leben?
Es tut sich was. Meine Achillessehne ist noch sauer auf mich. Macht sich immer wieder bemerkbar und so nervt sie mich nur mehr. Ein Spiegelbild von meinere Persönlichkeit diese Achillessehne. Langsam begreife ich, kann es aber wohl noch nicht verinnerlichen. Der Abstieg nach Bönigen ist eigentlich leicht. Nichts im Vergleich zu denen nach Beckenried oder Brienzwiler. Der Brienzersee im Sonnenschein noch viel schöner! Ein Traum. Ueberall sind Pärchen, und so falle ich wieder in mein altes Muster zurück. Mist! In Interlaken nehme ich mir wieder ein Hotel, da auch die Herbergen hier ausgebucht sind. Kein Wunder an einem Samstag! Werde noch meine Beine streicheln und somit lieb zu mir selber sein. So muss es nämlich sein!


10. August: Sachseln-Kienholz (Brienz)

Die Sonne schein rauszukommen als ich Sachseln verlasse. Hurra! Also schnell Richtung Giswil bevor, sie es sich anders überlegt. Heute geht es schon ziemlich locker. Um 9Uhr in Giswil angekommen, kriege ich ein Znüni-Remember-Telefon von Fabio. Wir tauschen unsere Neuigkeiten aus. Meine bestehen ja nur aus Schmerz hier Schmerz da, aber das kennt er ja schon von früher. Nach Giswil geht es dann den rauf zum Kaiserstuhl. Die Landschaft ist hier wirklich wie ein solcher Thron. 1h später bin ich oben, wieder schneller als der Wegweiser. Damit ich aber nicht übermütig werde, lässt mich jemand an Bürglens Kapelle meinen Stock vergessen, was ich aber erst 15min später merke. Super! Ohne Gehstock geht es gar nicht. Mehrmals hat er mir die Balance im Gebirge gehalten und mich so von einem blöden Sturz bewahrt.
Ich komme so gegen Mittag in Lungern an. Lungern hat eine "Kathedrale" echt schön. Der Pfarrer Dirk gibt mir dann auch ein Stempel und rät mir zu seinem Ross in Brienzwiler zu gehen und da zu übernachten. Bei Abplanalps. Ich überlege es mir. Jetzt aber mal ein echtes Mittagessen. Aelplermagronen, hmmm! So ist der Brünig ein Kinderspiel. Naja, nicht ganz den meine Achillessehne lässt nicht locker. Die blöde A! 1415 Brünig auf 1007müM. Dann runter durch einen Wald, dessen Beschreibung mich auf Vertrampelpfad bringt. Ein neues Wort ja, aber nichts beschreibt es besser! Verbieten sollte man solche Wege. Wie soll hier eine Schulklasse auf diesem angeblichen Wanderweg kommen? Ich male mir schon die Blickschlagzeile aus! Runter in Brienzwiler (wunderschöner Ort) rufe ich die Abplanalps an, um ihnen sogleich einen Korb zu geben. Hatte schon beschlossen, die Herberge in Brienz zu versuchen. Warum tue ich solche unentschlossene Sachen? Ich ärgere mich ab mir selber. Zur Strafe ist die Herberge dann voll und so muss ich in ein richtiges Hotel für 80CHF. Strafe muss sein. Obschon ich mich riesig über diese Entscheidung freue und nicht eine Sekunde über die verpasste Gelegenheit im Stroh von Abplanalps nachdenke. Pablo bist du es noch? Jawohl und einen Cheeseburger und Pommes mit Knoblisauche gönne ich mir auch noch. En guetä!

9. August: Stans-Sachseln

Nach 8Uhr geht es im Regen wieder los. Niemand hat wohl Petrus erreichen können und das mit dem wünschen ans Universum, wie es in Hapes Buch geschrieben ist, will auch nicht so klappen. Da hilft nichts. Hoch rauf geht es erstmal nach Murmatt. Es ist idyllisch schön hier. Wäre nicht der Regen ich hätte an die 10 Rastpausen gemacht, um die Landschaft zu geniessen. Im Gegensatz komme ich gut voran. Geplagt von meiner Achillessehne, die nicht mehr weiter will. Bin ich den Achilles? Nein! Also muss sie weiter! Aetsch!

Am Nachmittag der erste Höhepunkt dieser Reise. Eine Familie kurz vor St. Antoni hat für die Pilger eine Hütte gebaut, wo sie sich gratis Snacks und Getränke holen können und sich dort auch hinsetzen und ausruhen mögen. Sowas, ich glaubte, dass es sowas nicht mehr auf diesem Planeten gäbe. Danke, nochmals von hieraus!

Es geht langsam hoch die Flüeli zu Bruder Klaus' Wirkungsstätte. Wenn es hoch rauf geht und die Strecke eben ist, dann bin ich kaum zu halten. hehe! Bekomme auch hier einen Stempel und gehe runter nach Sachseln, wo ich ein Zimmer gebucht hatte. Auf dem Weg runter gehe ich vom Jakobsweg ab, um eine Lourdeskapelle zu besichtigen. Ich bete zu Maria. Es geht hier besser. Irgendwie, kann ich es mit Frauen besser. Wenn man das hier so sagen kann. Dank diesem Abstecher, spare ich sogar Zeit und bin gleichzeitig mit zwei Oesterreicherinen wieder unten, die viel schneller sind als ich.
Der Gasthof zum Bahnhof ist für seinen Preis 48CHF ein Schnäppchen. Na dann, gute Nacht!

8. August; Schwyz-Stans

Gemeinsam mit Brigitte gehe ich aus dem Haus. Es ist so knapp nach 8Uhr morgens. Markus ist schon wieder am arbeiten. Wir zwei gehen aber zuerst aber noch ein Frühstück einnehmen. Nicht ohne aber vorher beim Denner in Schwyz vorbeizugehen. Der macht schon um 6Uhr15 auf. Das muss man ja honorieren! So gehe ich also mit Proviant frühstücken. Bei Haug ist es wirklich schön, aber die Zeit drängt, denn schliesslich möchte ich noch nach Stans. Dafür muss ich aber zuerst nach Brunnen kommen. Meine Füsse und vorallem mein Knie tun schon ganz schön weh. So dass ich mehr humple als gehe. Nichts da, ich muss weiter. Plus ultra! In Brunnen bin ich dann eine Stunde später. Hey, nicht schlecht, oder? Dann mit dem Schiff nach Treib. Da ich mein Kuh-Outfit mit Stock habe, glaubt einer der Schiffleute ich hätte kein Ticket und muss es dann gleich genauer wissen. Naja, was solls. Nach Treib = 3 Häuser geht es Richtung Beckenried. 3Stunden lang geht es in einem Dschungel des Urnerlandes berghoch durch unwegsames Gelände. Ich hätte hier mal François mit Runningschuhen sehen wollen. Ich vertrample mich x-mal und fluche wie ein Rohrspatz. Hören wird mich hier bestimmt niemand. Und da das Fluchen auch Kraft kostet und nichts bringt, lasse ich es dann auch mal. Somit die erste Erkenntnis des Weges. Wut bringt dich voran, kostet aber viel Kraft. Fluchen kostet auch Kraft, bringt aber nur momentane Gemütslinderung aber keinen Meter weiter.
In Beckenried ziehe ich mich dann etwas wärmer an. Bin klitschnass vom Dauerregen und eigenen Schweiss! Ich esse 2 Bananen, 2 Quarks ein Sandwich und Cola! Was denn sonst! Dann geht es nach 20Min schon weiter nach Buochs. Ich komme an einem Postilon vorbei an der Strasse nach Seelisberg. Hier hatten wir vor dem Produkttraining NEW X-TRAIL einen Mittagsstopp gemacht. So klein ist die Welt! In Buochs hole ich mir einen Stempel ab und versuche zu beten. Es gelingt mir kaum ein Vaterunser. Schlimmer Katholik!
Irgendetwas treibt mich weiter voran. Meine Beine und Füsse können es fast nicht mehr sein, die sind nur noch Schmerzen. In Stans angekommen muss ich mir eine Bleibe suchen, weder die Apothekerin noch die Leute in einer Bar wissen wirklich wohin jemand mit beschränktem Budget gehen kann. Um 18Uhr ist auch kein Pfarrer und kein Tourismusoffice offen. Im ersten Hotel wollen sie 90CHF haben, im zweiten finde ich nicht mal die Reception. So beschliesse ich in Richtung Buochs zurück zu laufen, da gab es doch ein Motel. Auf dem Weg lächle ich zwei nette Damen in einem Haus an. Bla, bla, ja ich bin Pilger. 10 Min später erlöst mich dann Petra aus der Naturdusche und lädt mich zu sich ein. Eine leckere Pizza, nein Superlecker war die! Sandra, Petra und ich quatschen den ganzen Abend. Eine schöne Fügung! Ich bin total froh, die beiden getroffen zu haben, und die Kerze in Santiago ist Petra schon sicher. Mit der Heiligsprechung wird das etwas komplizierter! :-)

PS: Kann jemand mal Petrus Handy wählen und ihm sagen, dass er den Schweizer Wasserhahn im Bad vergessen hat! Danke!

7. August: Einsiedeln-Schwyz

Ich starte kurz nach 8Uhr in Einsiedeln. Es nieselt, also beschliesse ich mal zuerst mein Wet-Tenue im Rucksack zu lassen. 1h bis nach Trachseln. Meine Füsse mögen nicht weiter. Nichts da, schnell aus den Schuhen, den Füssen gut zureden und weiter. Es klappt!
1h später in Alpthal. Mittlerweile hat es stark zu regnen begonnen. Knapp vor Alpthal ziehe ich meine Regensachen an. Eine Gruppe zieht an mir vorbei und kuckt mich komisch an. Na warte, denen zeige ich es noch! Kurz vor der Steigung nach Hagenegg überhole ich alle. 1h40 bis zum Gipfel. Im strömenden Regen lege ich ein Tempo ein, das an Indurain im Zeitfahren erinnert. Nach 1h05 bin ich oben. Ohne aber vorher ein Stelldichein mit ein paar Kühen zu haben, die mich in meinem beigen Kuh-Outfit für einen der ihren ansehen. Muh! :-)
Ich treffe auf Ursina und Andreas, die mir gleich auf die Nase binden, dass sie gemütlich nur 1h hoch gebraucht haben. Grrr!
Naja, gemeinsam gehen wir den Abstieg an. Und nach 10 Min liege ich das erste mal auf dem Boden. So rutschig! hei ei.
In Schwyz angekommen, unterbrechen wir dem Pfarrer seine Mittagspause und kommen zu unserem Stempel.
Weiter zu Markus in sein Geschäft. "Hallo Priester!". Naja, eher wie ein Mönch oder eben eine Kuh sehe ich aus!
Ich bekomme, liebenswürdig wie er ist, seinen Hausschlüssel. Tja, bei Brigitte und Markus ist es immer sehr schön und erholsam. Nach dem Pizzaessen, sehen wir uns noch ungewollt kurz das Zusammentreffen der Schönheiten von Schwyz an. Nichts da, ich muss weiter!

6. August: Gontenbach-Einsiedeln

Bin tatsächlich um 6Uhr 16 aus dem Haus meiner Eltern gekommen. Alles Richtung Langnau, wo ich knapp vor 7 ein Frühstück bestehend aus Sandwich und Cola einnehme. Dann weiter nach Sihlbrugg. Hier komme ich 2 Stunden später an. Der Rucksack tut nicht mehr weh. Habe sogar die PET Flasche vom Cola mitgeschleppt. Fabio wäre stolz auf mich! :-)

Vorher in Gattikon hat sich noch eine ältere Dame riesig über meinen Anblick gefreut. "Ein Jakobspilger!.... bla, bla"

Meine Füsse beginnen zu schmerzen. Damit die nicht gleich aufgeben, ein kleines Bad in der Sihl. Ach die liebe Sihl meiner Kindheit!

3 Stunden bis Hütten. Rauf nach Schöneberg, dann mörderisch wieder runter, um dann steil wieder hoch nach Hütten zu kommen. Diese Wanderwege... grrr! Natürlich komme ich um 12 nicht mehr an einem offenen Laden vorbei. Dafür an einer Gaststätte. Da erfahre ich eine kürzere Route nach Schindellegi als die Wanderwege. Trotzdem nehme ich ab Schindellegi wieder den Wanderweg und breche mir dabei fast den Hals.

In Einsiedeln dann ein schönes Hotel! Jawohl!

5. August: Zürich-Gontenbach (Prolog)

Tja, habe es nicht um 6Uhr aus der Tür geschafft. Aber dafür 6 Stunden später. Für Sihlbrugg reicht es nicht ganz. Der Rucksack ist auch viel zu schwer. Ich entscheide mich, bei meinen Eltern zu übernachten und dann am nächsten Morgen früh aufzustehen. Zum Abendessen gibt es ganz nach Bud Spencer weisse Bohnen. Meine Variante: gemischt mit Pasta. Was anderes ist nicht da, denn meine Eltern sind in den Ferien.

Samstag, 4. August 2007

4.August 2007 Vorabend der Abreise

Liebe Freunde und Kollegen

Wie ihr wisst, laufe ich morgen früh nach Santiago los. Es ist eine Reise mit einem bestimmten Ziel. Nicht Santiago, sondern wie so oft zitiert: Der Weg ist das Ziel.

Es wurde mir vor einigen Wochen klar, dass es für mich an der Zeit war, eine Auszeit zu nehmen. Zeit für mich selber, um zu spüren wohin die Reise meines Lebens mich noch führen wird.

Ich möchte all denen danken, welche mich bei diesem Vorhaben untestützt haben. Vorallem François. Ohne Deine fachmännische Hilfe wäre ich jetzt nicht startklar.

Heute habe ich die letzten Besorgungen gemacht. Und bevor ich überhaupt auf dem Weg bin, kriege ich schon viele positive Feedbacks von sogar mir unbekannten Leuten. Habe heute sogar einen Wanderstock von fundsachenverkauf.ch offeriert bekommen. Vielen Dank nochmals!

In den nächsten Tagen werde ich die schönen Landschaften der Schweiz durqueren und Euch in diesem Blog über Erfahrungen und Anekdoten zu berichten wissen.

Auf Eure Beiträge freue ich mich schon heute!

Euch allen eine erfolgreiche und gesunde Zeit!